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Der Maggi
Scheunenfund
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Wo fange ich an, was soll ich sagen, wie soll ich es in ihr Haus. Dort wurde ich dann konkreter und bot Ihr
beschreiben… Am besten mit den Worten des Ein- einen ordentlichen Betrag. Das schien vor mir noch
lieferers: „Micky, ich habe da was richtig tolles vor niemand gemacht zu haben oder die Gebote waren zu
drei Tage gefunden, Du glaubst es nicht, unbekannte gering. Sie war erstaunt, dass jemand für die alten Ble-
Madschi (Scheizerdeutsch für Maggi) Schilder. Ich che so viel bezahlen wolle und vertröstete uns mit den
komme und bringe sie Dir in die Auktion.“ Wir kennen Worten: „Das muss ich mit meinem Mann besprechen“.
uns mindestens 40 Jahre und mir war klar, der Mann
weiß, wovon er spricht. Das müssen ganz besondere Zwei Wochen vergingen, ich hatte die Hoffnung schon
Schilder sein. Schilder, die niemand kennt, Schilder, aufgegeben, da klingelte das Telefon und die nette
die einmalig sind, Schilder mit einer Geschichte. Eine Dame sagte, dass ihr Mann und sie mit meinem Gebot
Woche später war es soweit: „Hier kommt der Maggi- einverstanden seien und ich die Schilder am nächsten
Mann“. Erst eine herzige Begrüßung, dann ein lang- Tag abholen könne. So fuhren wir tagsdrauf zu dem
sames, spannendes Auspacken. Ein Schild nach dem Hof und konnten die Schilder kaufen. Ich hatte extra
anderen. Und ich gestehe, das waren Momente, die in Wekrzeug mitgenommen, um die Schilder behutsam
Erinnerung bleiben. Das Wort „spektakulär“ reichte bei von der Holzwand zu nehmen, doch der bereits 80 jäh-
weitem nicht aus, meine Begeisterung zu beschreiben. rige Hausherr hatte die Schilder bereits abmontiert (sie
hingen in 4-5 Metern Höhe). Überglücklich verabschie-
Nun bitte die Geschichte Deines Fundes. Bei Kaffee deten wir uns und genossen ein paar Tage die Schil-
und Schokolade erzählte er mir seinen Glücksgriff der, bevor wir uns entschloßen, Micky anzurufen. Wir
(Aus der Erinnerung von mir wiedergegeben): Es gibt wünschen dem neuen Besitzer jetzt schon viel Freude
eine Strecke in der Nähe von Kempttal, auf der ich mit diesen feinen Maggi-Schildern.
schon seit Jahren unterwegs bin, meist alleine. Eines
Tages fuhr meine liebe Frau mit und schrie plötzlich:
„Stopp – Maggi-Schilder“. Völlig elektrisiert blieb
ich stehen, wendete und tatsächlich - Maggi. Maggi
Schilder an einem „Holzschopf“ (Schweizerisch für
Holzscheune). Auf unser Klingeln reagierte niemand,
also warteten wir geduldig weit über eine Stunde. Dann
kam die Besitzerin und schien unser Anliegen bereits
zu erkennen. „Wissen Sie, es waren schon sicherlich
25 Personen hier, die alle die Maggi-Schilder wollten,
die geben wir nicht weg“. Aus der Traum.
Nach Jahren dachte ich mir, schauen wir doch
nochmal nach den Schildern, ob sie noch da sind und
ob sich die Situation geändert habe. Ach ja, Geld nicht
vergessen. Gedacht, getan, gefahren. Am Ziel ange-
kommen war alles unverändert. Die Maggi-Schilder
hingen dort, wo sie schon immer hingen. Mit Herzklop-
fen läuteten wir und standen vor der etwas verblüfften
Besitzerin. Sie erkannte uns wieder und wunderte sich
ein wenig. Nachdem ich ihr meinen Wunsch nach den
Schildern erneut vortrug und ihr auch zu erkennen gab,
die Schilder nicht umsonst haben zu wollen, bat uns 421
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