Page 54 - R41_Katalog_Teil_1
P. 54

419





           Der Maggi

               Scheunenfund
                                                                                                   420

             Wo fange ich an, was soll ich sagen, wie soll ich es   in ihr Haus. Dort wurde ich dann konkreter und bot Ihr
           beschreiben… Am besten mit den Worten des Ein-   einen ordentlichen Betrag. Das schien vor mir noch
           lieferers: „Micky, ich habe da was richtig tolles vor   niemand gemacht zu haben oder die Gebote waren zu
           drei Tage gefunden, Du glaubst es nicht, unbekannte   gering. Sie war erstaunt, dass jemand für die alten Ble-
           Madschi (Scheizerdeutsch für Maggi) Schilder. Ich   che so viel bezahlen wolle und vertröstete uns mit den
           komme und bringe sie Dir in die Auktion.“ Wir kennen   Worten: „Das muss ich mit meinem Mann besprechen“.
           uns mindestens 40 Jahre und mir war klar, der Mann
           weiß, wovon er spricht. Das müssen ganz besondere   Zwei Wochen vergingen, ich hatte die Hoffnung schon
           Schilder sein. Schilder, die niemand kennt, Schilder,   aufgegeben, da klingelte das Telefon und die nette
           die einmalig sind, Schilder mit einer Geschichte. Eine   Dame sagte, dass ihr Mann und sie mit meinem Gebot
           Woche später war es soweit: „Hier kommt der Maggi-  einverstanden seien und ich die Schilder am nächsten
           Mann“. Erst eine herzige Begrüßung, dann ein lang-  Tag abholen könne. So fuhren wir tagsdrauf zu dem
           sames, spannendes Auspacken. Ein Schild nach dem   Hof und konnten die Schilder kaufen. Ich hatte extra
           anderen. Und ich gestehe, das waren Momente, die in   Wekrzeug mitgenommen, um die Schilder behutsam
           Erinnerung bleiben. Das Wort „spektakulär“ reichte bei   von der Holzwand zu nehmen, doch der bereits 80 jäh-
           weitem nicht aus, meine Begeisterung zu beschreiben.  rige Hausherr hatte die Schilder bereits abmontiert (sie
                                                            hingen in 4-5 Metern Höhe). Überglücklich verabschie-
             Nun bitte die Geschichte Deines Fundes. Bei Kaffee   deten wir uns und genossen ein paar Tage die Schil-
           und Schokolade erzählte er mir seinen Glücksgriff    der, bevor wir uns entschloßen, Micky anzurufen. Wir
           (Aus der Erinnerung von mir wiedergegeben): Es gibt   wünschen dem neuen Besitzer jetzt schon viel Freude
           eine Strecke in der Nähe von Kempttal, auf der ich   mit diesen feinen Maggi-Schildern.
           schon seit Jahren unterwegs bin, meist alleine. Eines
           Tages fuhr meine liebe Frau mit und schrie plötzlich:
           „Stopp – Maggi-Schilder“. Völlig elektrisiert blieb
           ich stehen, wendete und tatsächlich - Maggi. Maggi
           Schilder an einem „Holzschopf“ (Schweizerisch für
           Holzscheune). Auf unser Klingeln reagierte niemand,
           also warteten wir geduldig weit über eine Stunde. Dann
           kam die Besitzerin und schien unser Anliegen bereits
           zu erkennen. „Wissen Sie, es waren schon sicherlich
           25 Personen hier, die alle die Maggi-Schilder wollten,
           die geben wir nicht weg“. Aus der Traum.

             Nach Jahren dachte ich mir, schauen wir doch
           nochmal nach den Schildern, ob sie noch da sind und
           ob sich die Situation geändert habe. Ach ja, Geld nicht
           vergessen. Gedacht, getan, gefahren. Am Ziel ange-
           kommen war alles unverändert. Die Maggi-Schilder
           hingen dort, wo sie schon immer hingen. Mit Herzklop-
           fen läuteten wir und standen vor der etwas verblüfften
           Besitzerin. Sie erkannte uns wieder und wunderte sich
           ein wenig. Nachdem ich ihr meinen Wunsch nach den
           Schildern erneut vortrug und ihr auch zu erkennen gab,
           die Schilder nicht umsonst haben zu wollen, bat uns                                     421



     54
   49   50   51   52   53   54   55   56   57   58   59